von Gerd-Dietrich Tiefensee, 2015

Im April 2007 fanden sich 7 Liberale nach etlichen Vorgesprächen in der FDP- Kreisgeschäftsstelle Hannover ein und gründeten den Kreisverband Liberalen Senioren Region Hannover. Als Teil des schon seit August 2001 bestehenden Landesverbandes der Liberalen Senioren Niedersachsen sollte dieser Kreisverband auf der Ebene der Region Hannover den bisher in einigen Landkreisen bestehenden Unterbau des Landesverbandes vergrößern, und auf diesem Wege eine das ganze Land abdeckende Organisationsstruktur geschaffen werden. Dies ist heute nahezu erreicht.

Der Seniorenbeirat als Impulsgeber

Das Interesse an der Gründung eines eigenen Kreisverbandes hatte sich bei den Liberalen aus der jahrelangen Mitarbeit in der von der Stadt Hannover 1975 ins Leben gerufenen Vertretung der hier lebenden Senioren ergeben. Diese Vertretung besteht aus der Delegiertenversammlung mit 200 Delegierten und dem aus der Mitte dieser Versammlung gewählten Seniorenbeirat mit 13 Mitgliedern. Sie wird für die Dauer von 5 Jahren durch alle über 60 Jahre alten Einwohner mit Hauptwohnsitz in der Stadt der Einwohner gewählt. Der Seniorenbeirat beschäftigt sich als eine Art Exekutivorgan der Delegiertenversammlung im Einzelnen vorwiegend mit den ihm von der Stadt angetragenen seniorenpolitischen Aufgaben. Das sind vor allem die Beratung und Unterstützung des Rates und der Verwaltung – auch in verschiedenen Fachausschüssen - sowie der Träger von Alteneinrichtungen und reichen von der Mitwirkung bei Fragen des Baues von Altenwohnungen und Alteneinrichtungen über die Vertretung der älteren Generation bei Projekten und Problemen der Stadt bis hin zur Mitsprache bei der Weiterentwicklung des Seniorenplanes. Wichtig ist auch die Beratung von älteren Menschen im Einzelfall. Im Laufe der mittlerweile 8 Wahlperioden ist diese Seniorenvertretung zu einem festen Bestandteil der Hannoverschen Kommunalpolitik geworden. ie findet bei Rat und Stadtverwaltung sowie in der Öffentlichkeit in angemessener Weise Gehör und wirkt im Rahmen ihrer Kräfte zum Vorteil der Senioren. Hierauf mit einer vernehmbaren liberalen Stimme Einfluß zu nehmen, war auch eines der Motive für die Gründung des Kreisverbandes. Für die 2016 beginnende 9. Wahlperiode wird sich der Anfang 2015 im Kreisverband gebildete Ortsverband LiS- Hannover-Stadt darum auch mit einer eigenen Liste an der Wahl der Delegiertenversammlung beteiligen.

Der demografische Wandel

Nach seiner Gründung beschäftigte sich der Kreisverband zunächst mit den unter dem Schlagwort „demographischer Wandel“ beschriebenen Folgen der durch Geburtenrückgang und höhere Lebenserwartung sich verändernde Altersstruktur der deutschen Bevölkerung. Insbesondere versuchte er die für die Bevölkerung sich daraus ergebenden gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Vor- und Nachteile zu erfassen. Gemeinsam mit dem Landesverband der Liberalen Senioren und der FDP- Landtagsfraktion im Niedersächsischen Landtag veranstaltete der Kreisverband dafür in Hannover mehrere größere Veranstaltungen, die in die mit dem demographischen Wandel verbundene komplexe Thematik einführten. Hervorzuheben ist die erste in die Thematik einführende Veranstaltung am 9. Jan. 2008, in der Frau Prof. Dr. Ursula Lehr, einer der führenden Gerontologinnen und vormalige Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit, einen umfassenden Überblick über die Folgen der sich verändernden Altersstruktur gab. In der sich daran anschließenden Diskussion äußerten eine Reihe von Teilnehmern ihr Erstaunen über die vermittelten Fakten und den Umfang und das Tempo der Veränderungen. Um das bei dieser Veranstaltung insoweit deutlich gewordene Defizit abzubauen, folgten in den folgenden Jahren zu einschlägigen Themen weitere Veranstaltungen dieser Art mit durchgehend positiver Resonanz.

Grundsätze liberaler Seniorenpolitik 

Seit neuerem wird im Kreisverband die Frage diskutiert, ob der demographische Wandel mit weniger Kindern und mehr Alten tatsächlich, wie es heißt, unsere Gesellschaft in den Untergang treibt. Maßgeblich für diese Sichtweise ist ein vor Zeiten entwickeltes Pyramidenmodell, dem heute noch unter Experten vertretenen Ideal vom Altersaufbau der deutschen Bevölkerung. Offensichtlich wird dabei außer Acht gelassen, daß hier in 100 Jahren die durchschnittliche Lebenserwartung sich von 50 auf 80 Jahre erhöht hat. Dank wirtschaftlicher, sozialer und nicht zuletzt medizinischer Erfolge haben die Menschen hier 30 Lebensjahre dazugewonnen. Dies sollte vielleicht Anlaß sein, an eine grundsätzliche Neuordnung der Vorstellungen über das Alter bis hin zu veränderten Rollen der einzelnen Generationen heranzugehen.

Auf Wachstumskurs

Mit der in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Beschäftigung des Kreisverbandes mit dem demographischen Wandel, aber auch dank gezielter Ansprache von Interessenten konnte der Kreisverband sich im Laufe der Zeit auf immer mehr Mitgliedern stützen. Knapp ein Jahr nach Gründung hatte sich deren Zahl verdoppelt und kletterte in vier Jahren auf 39. Ende 2014 hat die Mitgliederzahl 62 erreicht. Das Anwachsen der Mitgliederzahl führte im Kreisverband schließlich zu der Überlegung, in den nach der Mitgliederzahl starken Orten eigenständige Ortsverbände innerhalb des Kreisverbandes einzurichten. So entstanden die Ortsverbände Langenhagen, Barsinghausen, Isernhagen und Anfang 2015 auch der Ortsverband Hannover-Stadt. Um die Visionen und Ziele der Liberalen Senioren in der niedersächsischen Landeshauptstadt zu konkretisieren und lokalpolitisch einzubringen, befasst sich der Ortsverband Hannover insbesondere mit den folgenden Themenkomplexen: Mobilität (seniorenbezogene Angebote des ÖPNV, Unfallhäufigkeit bestimmter Altersklassen etc.), Sicherheit im täglichen Lebensumfeld, seniorenbezogene Kreditwürdigkeitskriterien (V ermeidung von altersbezogenen Diskriminierungen durch Finanzinstitute), Generationenkooperation und auch mit praktischen Hilfestellungen wie dem Beschaffen von Serviceanbieteradressen für "kleine Dienstleistungen". Der Ortsverband ist im Dialog mit der hannoverschen FDP, der Liberalen Ratsfraktion und dem Seniorenbeirat, um die Ziele der Liberalen Senioren durch entsprechende Vorschläge in konkrete Politik umzusetzen und um Aktivitäten abzustimmen. Man wird sehen, inwiefern die stärker lokal ausgerichtete Organisationsstruktur für die liberale Seniorenpolitik in der Region Hannover von Vorteil und Nutzen ist.